Das Emder Bunkermuseum

Man mag jeder Band die vorzüglichen Übungsmöglichkeiten gönnen, wie sie die ehemaligen Luftschutzbunker aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges bieten. Und doch ist es erfreulich, dass heutzutage nicht jeder Bunkerbau Musikern Freude macht. In einem Bunker an der Holzsägerstraße in der ostfriesischen Stadt Emden wurde vor nunmehr zehn Jahren ein Museum eröffnet – eine beeindruckende Einrichtung, deren Besuch sich nicht nur für zeitgeschichtlich Interessierte lohnt. Der Eröffnungstag 6. Mai 1995 war zugleich der 50. Jahrestag der Befreiung von Nationalsozialismus und Krieg in Ostfriesland.

Bei Kriegsende zählte Emden zu den am meisten zerstörten Städten in ganz Europa. Zwischen Juli 1940 und April 1945 hatte es auf die Stadt 94 Luftangriffe gegeben. Allein vom 1. September 1939 bis 31. Dezember 1941 wurden in Emden 540 Fliegeralarme ausgelöst, davon 76 am Tage und 464 in der Nachtzeit.

Bei einer Flugzeugattacke am 6. September 1944 wurde Emden fast vollständig zerstört. Die Alliierten hatten die Stadt wegen der umfangreichen Hafenanlagen und leistungsstarken Werften zu einem Luftangriffsziel der obersten Priorität erklärt und entsprechend behandelt. Und: Emden entwickelte sich zur Einflugschneise der alliierten Bomberpulks auf das deutsche Reichsgebiet.

In der Kriegszeit verfügte kaum eine andere Stadt im Deutschen Reich über so viele Bunker wie der verhältnismäßig kleine Ort in Ostfriesland. Mit deren Bau war systematisch ab dem November 1940 begonnen worden. Zum Bunkerbau wurden unter anderem Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge gezwungen. Im Falle von Luftangriffen wurde ihnen der Schutz „selbstverständlich“ verwehrt.

Errichtet wurden 35 große Luftschutzbunker, von denen 31 erhalten geblieben sind. Hinzu kamen 120 Kleinbunker (wie beispielsweise verbunkerte Trafostationen, Brandwachen und Deckungsgräben.

In dem Bunker an der Holzsägerstraße, der heute das Bunker-Museum beheimatet, hatten während des Krieges regelmäßig mehr als 350 Menschen vor dem Bombenhagel aus der Luft Schutz gesucht und gefunden. Die 28 Räume hatten eine Größe von 3 x 2,10 beziehungsweise 3 x 3,20 Meter. Im Kellergeschoss waren eine Krankenstation und der Wachraum für den Bunkerwart untergebracht, ferner die Belüftungsanlage und das Notstromaggregat. Der sechsgeschossige Bunker wurde im Frühjahr 1942 hochgezogen. Er ist bei einer Breite von 13,7 und einer Länge von 14 Metern 18,3 Meter hoch. Die Wandstärke der Außenwand beträgt 1,10 Meter, die der Innenwand 40 Zentimeter (Deckenstärke: 1,40 Meter).

Heute findet sich in dem Bunker eine Ausstellung, die sich in chronologischer Ordnung durch 26 Räume zieht. Eine Gedenktafel im Eingangsbereich erinnert an die 368 Bombentoten aus Emden. Diese Zahl hätte wohl leicht wesentlich höher ausfallen können, wenn in Emden nicht so viele Bunker gebaut worden wären. So wurden beispielsweise während eines Kriegstages in Hamburg bei einem einzigen Angriff 5.000 Menschen getötet.